Texte von Jan Polacek

Symposium an der Universität Varanasi Kashi Vidyapith, Indien

Sechs Künstler aus Deutschland versuchen den Spagat zwischen den Kulturen.

Das Eingebundensein in die eigene Erfahrungsplatform, wird deutlich und zwingt zum flexiblen Erlebnismoment indischer Prägung. Die Basis der Zusammenarbeit war die Interaktion und die Möglichkeit Kunst über Grenzen hinweg zu transformieren. Hierbei hatte Beweglichkeit im gemeinsamen Arbeiten Priorität. Die religiöse Komplexität in Indien war omnipräsent, nicht zu durchschauen und unangreifbar. Auch vermeindlich aufgeklärte Menschen sind dem Diktat der Religion unterworfen. Das macht Veränderungen in diesem Land sehr schwierig und ist auch nicht gewollt, da jede Veränderung in einem jenseitigen Leben stattfinden wird und der diesseitigen Existenz nur eine schicksalhafte Bedeutung beigemessen wird, die nicht veränderbar ist. Ein riesiges »weel of destiny« auf dem Bahnhof von Varanasi empfing uns bei unserer Ankunft.

Meine Arbeit vor Ort mit den Studenten bezog sich strukturell auf inhaltliche politische Thematiken, die plastische Umsetzung erfahren sollte. Die Skulptur »fourth dimension« machte den Versuch mathematische und geometrische Lösungen in die Bildhauerei zu integrieren um nicht erklärbare Phänomene künstlerisch zu übertragen. »Wounded world« war als plastische Installation gedacht, um Erfahrungen der Industriestaaten mit ökologischem und ökonomischem Missbrauch transparent zu machen. »Burning world« zeigt als Bodeninstallation die kompromisslose Benennung der Verursacher globaler Ungerechtigkeit.

Zurück in Deutschland wurden Ausstellungen als künstlerische Reflektionen auf einen Indienaufenthalt unter dem Titel »Götter, Ganges, Gegenwart« organisiert. Nachfolgende Arbeiten wurden dort von mir gezeigt. »Göttersplittern«, fünf Collagen, zusammengesetzt aus Götterbildern und Zeitschriftenausrissen, die den indischen Alltag reflektieren. »Manikaranika Gath«, eine Installation mit angebrannten Stöcken im Kreis zusammengestellt und ihre verkohlten Arme in den Raum streckend. »Straßenszenen«, ein wohlriechendes Bild mit Gewürzpulver und Kosmetikpigment gemalt und ein stinkendes Bild aus dem Abfall und dem Unrat der Straße. Eine Installation mit Zeitschriften und Trivialheften, dazu zwei Heftübermalungen und eine Heftüberschreibung mit eigenen Texten gepudert mit Gewürzpigment.

©2010 Jan Polacek