Texte

… über Jan Polacek:

Bratwurst und die Kunst des Meditierens
»Bratwurst«, »Freudenhaus«, »Fickende Hunde« – schrill, laut und respektlos kommen die Arbeiten von Jan Polacek in den 90er Jahren daher. Bunt, banal und plakativ sind die Facetten der Wirklichkeit, die der Künstler uns in seinen Reliefs und Skulpturen vorführt.

Nur mühsam gehalten im Rechteck das überbordende »Fleisch« des Freudenmädchens, pralle Schenkel, schwer hängende Brüste, die steilen Absätze des Stöckelschuhs; aufdringlich rot die vollen Lippen, Fingernägel und Brustwarzen. Wild, ungeordnet, falsch zusammengesetzt wirkt die komprimierte Körperlichkeit, unverblümte Darstellung von Lust und Anmache.

Die schrille Optik der Comics, vulgäre Themen und triviales Vokabular verhalfen Jan Polacek zur Abgrenzung vom akademischen Lehrsatz. Polacek verbindet Tradition und Techniken der Holzbildhauerei mit den befremdlichen Themen einer ordinären Alltäglichkeit. Die Kräfte der Rebellion und der Anarchie werden jedoch kontrolliert und gehalten von einem leidenschaftlichen Willen zur Form. In der vereinfachten, deformierten Gegenständlichkeit der Werke der 90er Jahre spricht sich schon der Wunsch nach der reinen Form aus, der Drang, die Gegenständlichkeit zugunsten einer intensiveren Formaussage zurückzudrängen.

2003 ensteht die Serie von zehn quadratischen Reliefs, »50×50«. Polacek widmet sich der Form des vollkommenen Gleichmaßes. Es grenzt schon an Selbstüberschätzung (nicht umsonst nennt man Menschen, die es wissen wollen, Quadratschädel), der Vollkommenheit des Quadrats, dieser Ausgeburt an Regelhaftigkeit und Gleichförmigkeit Schwingungen abtrotzen zu wollen.

Quadrate suggerieren auf Grund ihrer breiten Basis Stabilität, sie besitzen als archetypische Gestalt eine Affinität zur Erde, was sie als architektonische Einheit brauchbar macht und sich beispielsweise in Grundrissen von Tempeln und Städten niederschlägt.

Polaceks Reliefs variieren auf quadratischer Grundfläche rhythmisch gegliederte eckige Formen. Kleinteilige Kuben schichten sich übereinander, ordnen, gliedern, überschneiden sich, zerlegen das Quadrat in ein bewegtes Gefüge hart aneinanderstoßender Flächen. Tatsächlich verliert die ausgewogene Grundform ihre Statik, die in horizontale, vertikale und diagonale Flächen aufgebrochene Oberfläche pulsiert als hätte ein Atem sie angehaucht.

Polaceks bildnerische Auseinandersetzung mit dem Quadrat erinnert an den Ritus der Zen-Meister, die ein Quadrat abschreiten, um sich zu konzentrieren. Man könnte diese Serie auch als ein meditatives Ausloten einer Form begreifen, die in ihrer Geschlossenheit und ihrem Ebenmaß ein besondere Herausforderung für den Bildner darstellt. Quadrat und Würfel waren bei den Alchimisten »Stein des Weisen«, sie galten als Symbol der Selbstverwirklichung.

Möglicherweise ist die hartnäckige Suche nach dem »Stein des Weisen« als bildhauerische Bestandsaufnahme zu deuten, als Wunsch, sich seiner selbst in und an diesen Widerständen, Kanten und Ecken zu vergewissern.

Im »Wenig« des Vierecks könnte Jan Polacek das »Mehr« gefunden haben. Auf seinem über zehn Jahre andauernden Weg zur Form steckt der Künstler jetzt ein Feld ab, er reduziert, um in der Reduktion die Kraft der Form zu steigern.

Ursula Reinard, Gießen 2004

Reduziertes Starren
Reduziertes Starren
Immense Körperketten
Im Flug eines schattigen Pfeils
Es bestand ein Gefieder in Nacht
Mit blühenden Rispenstangen
Ein Ende des Bilderbogens
es spannt der imaginäre Raum kein Seil
Nur webt der Stil sein Fach

Die Wahrnehmung des äußeren Feldes
Steinfäden
so komplex als geborenes Steinfeld
neben einzeln gebeugtem Blütenkelch
Glattsprache der Widerhall der Form

Welche Notation als Unding des Wissens.
Der Strich jeder Haut entfernt die Linien des Blutes.
Diametral wie die Kniekehle einer Maschine.

Die Linie ist still
Als wäre die Form ein Diktat der Erweiterung.
Das stockende Sprachband. Solche Schattierung der Gewalt.
Nichts rückt näher als ein Ende dort vollzieht sich Wechsel im Sein.
Vermeintlich trüb liegt See. Sperlingshüpfen zwischen den Pausen.
Lange Wellen. Zug um Zug.

Der Kreis in dem sich das Wort bewegt. Ein Raum alter Stille, nur unterbrochen in Schnitt und Form. Ablauf als Aneignung des Laus. Spur. In der Oberfläche entsteht krauses Schweigen. Eine Leere des Alls, als spiegelt sich Wahrnehmung im inneren Film. Ein Ding sucht Klärung. Ein Auf und Abgeben des verlässlichen Musters. Nur Drehung des Raums öffnet die geschlossenen Fläche der Wirklichkeit. Als Betrachter dem Instrument der Folgen der Logik des Geschehens entrinnen. Dies bedeutet dass Wahrheit an dem Punkt der Vergangenheit endet entsteht. Die Flucht ins Nicht endet bam Platz der Stille . Davor Lücke als Naht.

Roter Fluß spart entgegen gesetzt als wäre es kleoines Geröll. Spat in Strom, Wirbel Zeit. Tag Hell. Kalt. Gesammelte Ebenen jeder Erzählung. Linienvergleich, soweit der Beginn sich in Situationsflächen erstreckt. Abstand welcher Figuren, Rollenschilderung. Weshalb Gegebenheiten erzählen. Fiktion des Schneefalls, als würde Leben in Leben enden. Die Sprache öffnet ein Tor zum Selbstbetrug. Vermeintlich lebensschaffend. Erschaffen jeglichen Unsinns.

Zerkleinern philosophischer Sprachwut
Differenziertheit bis in die molekularen Prozesse
gedankliche Abläufe nichts passiert ohne Kreativität
Erstarrung der Form ist Erstarrtheit des Wortes ist Erstarrung der Gedanken
ist Grundlage des Faschismus

Peter Engstler, Oberwaldbehrungen 2004

Die Arbeiten des Bildhauers Jan Polacek
Die Arbeiten des Bildhauers Jan Polacek sind charakterisiert durch einen plastisch-kubischen »Modul«, der sowohl Aufbau wie Zerstörung, Baustein und Torso bedeuten kann. Beispielhaft ist da der umfangreiche Werkkomplex »Reflexion d’Afrique«. Die plastische Installation versteht sich als Anklage an die abendländische Vergewaltigung einer vielschichtigen, traditionsreichen aber vermeintlich primitiven afrikanischen Kultur.

Polaceks plastische Installation muß aber nicht nur als gesellschaftspolitische und kulturkritische Aussage gedeutet werden; im Sinne der Dualität »Über uns – unter uns« ist »Reflexion d’Afrique« auch Verbildlichung einer den »geworfenen« Menschen »überfallenden« Vision oder Inspiration – die »Gegenwärtigkeit« des »Übermächtigen«.

Hans Jürgen Fliedner, Coburg 1999

Jan Polaceks Werk
Jan Polaceks Werk steht für den Versuch, den Gegensatz zwischen Großstadt, Handwerk und Avantgarde, zu überbrücken. Er ist in der Rhön aufgewachsen, machte in Bischofsheim eine Lehre als Holzbildhauer, endete aber nicht als Herrgottsschnitzer im folkloristischen Kommerz, sondern besuchte die Nürnberger »Akademie der bildenden Künste«, ohne den Akademismus seines Professors Uhlig zu übernehmen. Er reiste mehrmals nach Afrika, ohne die Illusion seiner expressionistischen Vorläufer: Denn auch dort gibt es keine Heimat, keinen Ursprung, keine Reinheit, sondern nur noch pseudoarchaische Kunst.

Aber auch die Möglichkeit zur Konfrontation, zum Dialog. In seinen frühen Arbeiten orientierte sich Jan Polacek an den Kubisten, zerschnitt etwa in einer Reliefserie Körper, blieb aber nahe am Figurativen. In Kleinplastiken grinsen offene Münder, klaffende Geschlechtsteile, auf Stahlstellen montiert, wie Fragmente aus U-Comix. Im Laufe seiner Entwicklung reduzierte er seine expressiven Formen auf immer klarere Konturen. In der Form des Halbreliefs nutzte er die Gestalt der Bohle, um Motive wie Sex und Tod, Verwundung und Exzeß, Krieg und Medien plastisch anzudeuten. Beispiel dafür ist der »Trommler«, der extatisch mit Knochen um sich wirbelt, oder »Die Schöne«.

Jan Polacek trägt Kalk oder Pigment auf seine Holzplastiken auf, so daß die Oberfläche schimmert und sich, je nach der Perspektive des Betrachters, unterschiedliche Tiefen hintereinanderstaffeln und so multiple Sichtweisen ergeben. Das Innere schiebt sich nach außen, Figurenreste, Köpfe, Körperteile, Schemen verselbständigen sich, der Körper als Ganzes wird dekonstruiert. Neben Kleinplastiken, Stelen, Wandreliefs und Holzcollagen gestaltet Jan Polacek aber auch Performances, Konzeptaktionen, Videokunst.

Er illustriert für das »Rhöner Drucknetzwerk Engpol« Bücher und Flugschriften, er stellt seine Plastiken zu einem Schmied als »Kunst in den Produktionsstätten« oder geht in den Cyberspace.

Jan Polacek ist ein Künstler der Vielfalt und des Konflikts in der Welt, zwischen den Welten. Zwischen Metropole und Dritter Welt, zwischen Großstadt und Rhöndorf. Er hat die Energie der Erde, das Ungestüme des Bauern, auch seine Schläue, die Kraft eines Schmieds, das Geschick eines Tischlers. Jan Polaceks Werke sind wuchtig und doch artifiziell, bodenständig und doch weltoffen.

Ruthard Stäblein, Kulturredakteur HR

VOLUMES OF FRIENDLY FIRE – Verspielte Technik, faschistoide brd
In »Volumes of friendly fire« zeigt Jan Polacek projizierte Bilder: Sie erinnern an Totempfähle, Schnittbilder aus Oszillographen und glitzernde Scherben nach dem Bildersturm. Burkhard liest collagierte Texte und macht die Sounds, Polacek wirft dazu Dias auf eine Leinwand oder zieht einen handgemachten Film durch eine Projektormaschine. Das bedröhnt wie eine Diskothek, macht aggressiv wie ein Straßenkampf und ist ästhetisch wie eine Lasershow. Polaceks Bilder, abstrakt, verwaschen dynamische Muster, Zeichen, stürzende Fratzen, hochgezoomte Splitter, Mikrokosmen, halbdurchlässige Raster, spannungsreiche Schnittmuster wie Strom- oder Blitzschläge, Bildstörungen von weltsprengender Kraft, Totemmasken der Moderne, Propagandafetische, technische Skizzen zu Tatoomustern verfremdet, Alarmsignale im Kartoffeldruck, unverständliche Listen unleserlicher Codes von Archäologen des postapokalyptischen 27sten Jahrhunderts ausgegraben, Höhlenmalereien, Piktogramme von Wölfen, Überlandleitungen zu Gitarrensaiten, in fraktalem Chaos gefrorenen Bewegungen, Großstadtreliefe postmoderner Metropolen im altertümlichen Holzschnitt, aus Machtstrukturen wachsende Gesichter, Alltagsideologien, Zeitungskot, Propagandamaterial aus den Altpapiercontainern der Spindoctors, düstere Kreidezeichnungen von Werbemotiven, Totempfähle der Popkultur.

Jan Polacek und Jörg Burkhard verstärken einander: sie betreiben beide eine ähnliche Dynamik und Spannung in ihrer Sprache und ihren Bildern, eine ähnliche Härte und Brutalität in ihren Rhythmen, eine ähnliche Freude am Verfremden und Spielen mit vorgefundenen Materialien. Der Sprach- und Bilderrausch ist nicht dionysisch, sondern paranoid. Die Ekstase der Punks ist der Straßenkampf. Ja wenn man Burkhard und Polacek sieht und hört, bekommt man so richtig Lust, ein paar Schaufensterscheiben einzuschmeißen. Das ist keine politische Agitation oder Aufklärung, das ist die nackte Konzentration auf und Hingabe an den faschistoiden Charakter der Massenmedien, im subjektiv gefühlten hypnopädischen Hertztempo, teils mit typischen Zitaten bis hin zu stereotypen, teils abstrahiert zu reinen Flächen, Punkten, Mustern, Rastern, Zeichen … in Sphären nackter Ästhetik, wo nur noch Stromlinien schwingen und Kosinuskurven schlagen und man das weiße Flimmern nach Sendeschluss als Erlösung ersehnt. Die Bilder der Herrschenden krachen in Wolkenheimen zusammen, von wo sie beschädigt zu Boden stürzen – Burkhard und Polacek sammeln sie ein, die Trümmer nach dem Bildersturm, und feiern ein postapokalyptisches Eselsfest.

Thomas Nöske, Berlin

… von Jan Polacek:

Symposium an der Universität Varanasi Kashi Vidyapith, Indien
Sechs Künstler aus Deutschland versuchen den Spagat zwischen den Kulturen.

Das Eingebundensein in die eigene Erfahrungsplatform, wird deutlich und zwingt zum flexiblen Erlebnismoment indischer Prägung. Die Basis der Zusammenarbeit war die Interaktion und die Möglichkeit Kunst über Grenzen hinweg zu transformieren. Hierbei hatte Beweglichkeit im gemeinsamen Arbeiten Priorität. Die religiöse Komplexität in Indien war omnipräsent, nicht zu durchschauen und unangreifbar. Auch vermeindlich aufgeklärte Menschen sind dem Diktat der Religion unterworfen. Das macht Veränderungen in diesem Land sehr schwierig und ist auch nicht gewollt, da jede Veränderung in einem jenseitigen Leben stattfinden wird und der diesseitigen Existenz nur eine schicksalhafte Bedeutung beigemessen wird, die nicht veränderbar ist. Ein riesiges »weel of destiny« auf dem Bahnhof von Varanasi empfing uns bei unserer Ankunft.

Meine Arbeit vor Ort mit den Studenten bezog sich strukturell auf inhaltliche politische Thematiken, die plastische Umsetzung erfahren sollte. Die Skulptur »fourth dimension« machte den Versuch mathematische und geometrische Lösungen in die Bildhauerei zu integrieren um nicht erklärbare Phänomene künstlerisch zu übertragen. »Wounded world« war als plastische Installation gedacht, um Erfahrungen der Industriestaaten mit ökologischem und ökonomischem Missbrauch transparent zu machen. »Burning world« zeigt als Bodeninstallation die kompromisslose Benennung der Verursacher globaler Ungerechtigkeit.

Zurück in Deutschland wurden Ausstellungen als künstlerische Reflektionen auf einen Indienaufenthalt unter dem Titel »Götter, Ganges, Gegenwart« organisiert. Nachfolgende Arbeiten wurden dort von mir gezeigt. »Göttersplittern«, fünf Collagen, zusammengesetzt aus Götterbildern und Zeitschriftenausrissen, die den indischen Alltag reflektieren. »Manikaranika Gath«, eine Installation mit angebrannten Stöcken im Kreis zusammengestellt und ihre verkohlten Arme in den Raum streckend. »Straßenszenen«, ein wohlriechendes Bild mit Gewürzpulver und Kosmetikpigment gemalt und ein stinkendes Bild aus dem Abfall und dem Unrat der Straße. Eine Installation mit Zeitschriften und Trivialheften, dazu zwei Heftübermalungen und eine Heftüberschreibung mit eigenen Texten gepudert mit Gewürzpigment.

20 min plus minus – Klang, Dia, Film, Collage
Das Projekt »20 min plus minus« ist eine Weiterentwicklung des Konzepts Volumes of friendly fire. Die Zusammenarbeit von Ton und Bildkünstlern war die Intension dieses Projekts und wird in dieser Besetzung, DETLEV BECK Klangcollage, Sampling, Alltagsgeräusche und JAN POLACEK Filmbearbeitung, DIA Collage seit 2001 weiterentwickelt. Die gemeinsame künstlerische Arbeit, ist ein WORK IN PROGRESS Projekt und wird ständig mit neuem Material erweitert.

DIE BASIS des Konzepts ist DIE COLLAGE von Fundstücken und Wahrnehmungen aus der täglichen Medienlandschaft und der Verarbeitung von selbst entwickeltem Material. Zur Verwendung in der BILDBEARBEITUNG am DIA kommen Zeitungen und Zeitschriften aller Couleur, Farbmuster, Raster, Zeichnung, Photo und Textmaterial. Verfremdet und geschnitten, hochgezoomt und übereinandergelegt, Textfragmente bewusster und spontaner Wiedergabe. DER FILM eine Endlosschlaufe, mit bearbeitetem Filmmaterial läuft als Autonome sich selbst darstellende Arbeit parallel. Filme im S8 und 16mm Format werden gekratzt, geschabt, die verschiedenen Farbschichten durch traktieren des Materials hervorgeholt, durch besprühen und bemalen werden Muster und Symbole auf DIE BILDABLÄUFE aufgebracht. Durch diese Verfremdung wird der ursprüngliche Film seiner vorbestimmten Form entrissen. In seiner künstlerischen Bearbeitung zeigt er eine gänzlich andere in atemberaubender Schnelligkeit ablaufende Ästhetik, die sich nur noch der Geschwindigkeit und der Transparenz des Materials bedient. Eine Auflösung des Films als Handlungsablauf ist beabsichtigt. Nur noch die vage Abfolge der ursprünglichen Bilder im Hintergrund erinnert an das Ausgangsmaterial.

In der TONBEARBEITUNG experimentiert DETLEV BECK mit Tönen, die Klänge formieren oder mit Geräuschen, gesampelt und verfremdet, die sich zu Collagen bündeln. Es entsteht eine KLANGMATRIX, welche die Überfrachtung des Alltags durch permanente akustische Signale wiederspiegelt, der Klangmuzak ist allgegenwärtig. Eigene und gesampelte Geräusche, bearbeitetes und verfremdetes Material sind die Grundlage. Vor dem Hintergrund des sich ständig entwickelnden Konzepts, werden politische Themen speziell bearbeitet und gesellschaftliche Problematik thematisiert. Das Spektrum der ELEKTRONISCHEN MUSIK ist die Grundlage und wird erweitert durch Mitschnitte von Radio, TV und Alltagsgeräusch. Texte werden durch den Sampler oder über Loops geschickt und als neuentstandenes musikalisches Material auch wieder zertrümmert und dekonstruiert. ZIEL ist es, Räume zu destabilisieren, Seh- und Hörgewohnheiten zu durchbrechen und für die Betrachter und Zuhörer ein ENVIROMENT zu schaffen, das alle Wahrnehmungen konzentriert.

still waiting for charly man
Vor dem Hintergrund der Lethargie der Armen und Unterprivilegierten und des Heilslehrendiktats der Mächtigen, verschwindet der Mensch im Raster der neuen Weltordnung und wird zerrieben zwischen Interessenblöcken, was bleibt ist das warten auf charly man und Retter jeglicher couleur, wenn er dann kommt wird alles nur schlimmer.

Aufschwung Wiederaufschwung ist die Konstruierte Konformistische Sicht auf Inseln im Meer der großen Depression.

Künstlersymposium in Szigetszentmiklos
Auf Einladung der Künstlergruppe PATAK und der Initiative des Kunstfördervereins NEKST aus Thüringen, fuhren acht Künstler aus verschiedenen Bundesländern Deutschlands vom 20.–30. 5. 2002 nach Szigetszentmiklos in der Nähe von Budapest. Die Künstler arbeiteten 10 Tage unter der Betreuung der Künstlergruppe PATAK und ihrem Galeristen Janos Köszegi. Die beteiligten deutschen Künstler sind Mitglieder der Künstlergruppen LaFiWaPa und PWW9, die schon verschiedentlich in Deutschland zusammen arbeiteten und gemeinsam Projekte und Symposien organisierten.

Die künstlerische Arbeit in Ungarn bezog sich auf die Landschaft und das Umfeld des Symposiums, wobei der Austausch mit den Künstlerkollegen elementar war. Der Ort des Symposiums, ein inspirativer Platz direkt an der Donau gelegen, wurde von allen Teilnehmern als sehr intensiv empfunden. Dieses besondere Erleben floß in die Arbeiten der Künstler entscheidend ein. Durch Gespräche mit den Künstlerkollegen der Gruppe PATAK wurde ständig über den Fortgang der Arbeit reflektiert. Sehr interessant war das Zusammentreffen mit den verschiedenen ungarischen Künstlern, wobei wir Erfahrungen austauschten und über Fragen der Kunst und der Situation von Künstlern in Ungarn und Deutschland sprachen.

Der thematische Bezug »Wasser« entstand durch die nahe gelegene Donau und die entstandenen Arbeiten beschäftigten sich auf ihre individuelle Weise mit diesem Thema. Die Kunstwerke wurden in den verschiedensten Techniken und mit den unterschiedlichsten Materialien ausgeführt. So entstanden in kurzer Zeit malerische, druckgraphische und bildhauerische Arbeiten auf hohem Niveau.

Ein intensiver Kontakt mit den Kulturverantwortlichen der Stadt Szigeszentmiglos unterstützte die Arbeit und trug zum gegenseitigen Verstehen bei. Den Abschluss bildete eine Ausstellung im Kulturhaus der Stadt, die von der Bürgermeisterin und der Kulturamtsleiterin der Stadt eröffnet und von vielen Bürgern der Stadt Szigeszentmiglos besucht wurde.

Zusammenfassend möchte ich sagen war dieser Aufenthalt in Ungarn für alle Beteiligten ein voller Erfolg. Innerhalb der kreativen Arbeit fand ein reicher Austausch von Erfahrung und Wissen statt, welcher sich auf die künstlerische Entwicklung des Einzelnen durchaus positiv auswirken wird – davon waren alle Beteiligten überzeugt.

Die lange Erfahrung unserer Freunde, künstlerische Durststrecken durchzustehen, nicht aufzugeben und der Kunst ihren gesellschaftlichen Stellenwert zurückzugeben, war für die Kunstschaffenden aus Deutschland ein wichtiger Erfahrungshintergrund für die Intensivierung ihrer Arbeit. Es wurde beschlossen, die positiven Erfahrungen dieses Symposiums weiterzuführen und eine Einladung nach Deutschland folgen zu lassen.

Die zwischenmenschlichen Beziehungen wurden zu einem tragenden Faktor und verdeutlichten einmal mehr, die Notwendigkeit von kulturellem Austausch über Grenzen hinweg.

Die beteiligten Künstler Gernot Ehrsam, Ingo Karrasch, Marina v. Ketteler, Jan Polacek, Ulrike Reinhold, Franz Rösch, Christine Wehe Bamberger, Stefan Winkler, bedanken sich hiermit für die gute Zusammenarbeit.

Für LaFiWaPa und PWW9

Jan Polacek

REFLEXION D’AFRIQUE
Der üblichen Verständnislosigkeit des Europäers für Afrikanische Kunst, entspricht die stilistische Kraft derselben; stellt sie doch einen bedeutenden Fall plastischen Sehens dar.
Carl Einstein, 1915

Durch meinen ersten Afrikaaufenthalt (1995/96), für die Belange der Menschen und ihre Kultur interessiert, begann ich bei meiner Rückkehr mit der künstlerischen Umsetzung des Erlebten und des Gesehenen. REFLEXION D’AFRIQUE ist der Titel einer Installation, die auf inhaltliche und formale Zustände dieses erlebten Ausschnittes von Westafrika Bezug nimmt und dies in künstlerisch, sinnlich erfaßbare Sprache der Bilder umsetzt.

Die in Deutschland, als Reflexion auf meine Reise entstandenen Installation zeigt dreißig gebrochene Krüge, sinnbildlich für das Zerbrechen der afrikanischen Staaten, an Werkzeuge erinnernde Holzskulpturen, die ihren funktionalen Charakter nicht verbergen können und Bilder mit zeichenhaften Symbolen. Das Sinnbild des zerschlagenen Kruges findet sein Gegenüber in der Zersplitterung des afrikanischen Kontinents. Der Krug zeugt von der einstigen Funktion des Gefäßes, einer eigenständigen Kultur, die bestimmten und klaren Formalen Kriterien unterworfen war, davon finden wir heute nur noch einen Scherbenhaufen vor, der zwar in jedem einzelnen Teil an die Schönheit des Ausgangspunktes erinnert, doch sich in dieser Form niemals wieder zusammenfügen kann.

Bei meinem nächsten Afrikaaufenthalt, 1997, waren folgende formale und inhaltliche Kriterien vorgesehen: Die Holzskulptur als Träger und Sockel der Eisenerweiterung, durch Blechbeschlagung, angeschmiedetes Material, die Form des Holzes aufnehmend und verstärkend. Tanzende Bleche, beinige Eisen, genarbte Oberfläche, Gusshaut, Schmiedezunder, Kalkholz, Lateritrot auf Teakgrund. Der verzapfte Holzteil nimmt das Farbpigment auf wie einen Glasüberzug. Eisenblech führt dies fort und zeigt die Unverletzbarkeit, den entgültigen Schutz, Rüstung und Schönheit der gegensätzlichen Materialien. In der afrikanischen Plastik entsteht durch Reduzierung auf das Wesentliche, eine Geschlossenheit der Form, die der Geschlossenheit des kulturell Eingebundenseins entspricht.

Meine Arbeiten haben zur afrikanischen Ornamentik mit ihrer zeichenhaften Sprache und zur afrikanischen Holzskulptur mit ihrer kompromißlosen Plastizität, ganz wesentliche Schnittpunkte. Als eurozentrische Expansion erfolgte, besaßen die Völker der heutigen Dritten Welt eigene ursprüngliche Kulturen, die in organischem Zusammenhang mit ihren Gesellschaften und auf langen Traditionen beruhten. Der erzwungene Anschluß an das internationale System führt im Entwicklungsprozeß dieser Kulturen zu einer Deformation und bewirkt scharfe Wiedersprüche, wie sie heute in Afrika überall zu beobachten sind. Wenn wir in der heutigen Welt handeln wollen, dürfen wir nicht versuchen, die Sprache der Unverdorbenheit der Urvölker zu singen, unser Lied sollte in ihrem Land gesungen werden, und ihr Lied sollte in unserem Land gesungen werden.

Mein Projekt REFLEXION D’AFRIQUE bezieht die Lebenssituation der Afikaner in meine Lebens- und Arbeitssituation mit ein. Als Gast in ihrem Land verfolge ich die Dinge nicht von einem sicheren Beobachtungsplatz aus. Die Integration des beschwerlichen Lebens unter afrikanischer Sonne, die alltäglichen Abläufe, das Erleben der ökonomischen und politischen Zwänge, begleitet den Entstehungsprozeß meiner künstlerischen Arbeit vor Ort. Dies alles hat eine wichtige menschliche Komponente, welche die Arbeit mit Kunst nicht unberührt läßt.

Kunst in den Produktionsstätten
Kunst in den Produktionsstätten ist ein Ausstellungskonzept, das 1995 mit drei Ausstellungen begann und kontinuierlich fortgesetzt wird.

Kunst aus den Tempeln der Präsentation (Museen, Galerien) an Orte der Produktion (Betriebe, Fabriken) zu holen, in denen gearbeitet und nicht nur verwaltet wird, war der Ausgangspunkt des Konzepts. Menschen mit Kunst in Berührung zu bringen, die nicht in die Hallen des Kunstkonsums gehen würden. Kunst in außer-gewöhnlichen Räumen und außerhalb von bekannten ästhetischen Zusammenhängen. Heute wird die leichte Konsumierbarkeit der medialen Bilderwelt einem Maximum an sinnlichen Verlusten gegenübergestellt. Kunst wird zur Ikone der individualistischen Nabelschau. Nicht der elitäre Kunstgenuß Einzelner vermag die sinnlich-ästhetische Desorientiertheit von Künstlern und Kunstbetrachtern aufzubrechen.

Nach dem herrschenden Präsentationsverständnis der showgeilen Kunstpäbste, hat Kunst nur den individualistischen Ansprüchen des einzelnen Künstlers zu genügen, die nur noch die radikalpersönlichen Formen der Selbstbetrachtung hervorbringen, ohne Bezug zur Altagsrealität der Menschen. Künstler als Elfenbeinturmstürmer. Meine Arbeiten müssen sich bei Kunst in den Produktiosstätten an extremen Ausstellungsorten behaupten. Der außergewöhnliche Ausstellungszusammenhang bringt interessierte Menschen an nichtalltägliche Orte, um Kunst zu betrachten. Kunst wird zur Komunikationsplattform. Die Ausgestellten Arbeiten sollen nicht direkt Bezug nehmen auf Waren oder Serviceproduktion des Ausstellungsortes, vielmehr stellt hier der Künstler seine eigene Produktion vor. Der gemeinsame Konsens ist das Aufbrechen fest-gefahrener Strukturen der Abgrenzung von Kunst, Kunstbetrachter, Warenproduzent, Künstler, bis zum Erobern von neuen Räumen für die Kunst.

Massa Fucker
Vor dem Hintergrund, Bunker als Ausstellungsraum, ist eine rein ästhetische Auseinandersetzung mit Kunst nicht möglich. Räume, die Schutzfunktion vor der Massenvernichtung erfüllen sollen, haben durch ihre Konzeption Vorrang vor künstlerischer Nabelschau.

Das Konzept MASSA FUCKER Politik, Verbrechen, Geld, Macht, Armut, Aufstand stellt Kunst in einen gesellschaftspolitischen Zusammenhang. Vermasste Gewohnheiten, Medienverseuchung, erzeugte und gewollte machtpolitische Strukturen. In dieser Situation der Entfremdung, in der sich jeder mit den Verhältnissen abgefunden hat, kann ein Künstler nicht nur ästhetische Neigungen frönen, er muß hinausmalen, bildhauern, singen, schreiben, was er an Utopien in sich hat. Das tat Kunst schon immer. Der Deutsche, bei dem sich nach der Wendehalsvereinigung die innere Leere nach außen stülpt, ist der Prototyp des selbstsüchtigen Spießers, der seine latent vorhandenen faschistoiden Neigungen im wirtschaftlichen Großmachtbollwerk in Kerneuropa pflegen kann. Abgesichert durch eine Politik, die nur den angepaßten kritiklosen Menschen wünscht, kann er sich hier nach Feierabend die Füße hochlegen, die TV wärme anzappen und sich bei ein paar Flaschen Deutschen Bieres dien Welt durch sein Wohnzimmer fahren lassen.

COLLAGE, kongenial mit der Zerstückelung menschlichen Lebens in Arbeit, Konsum, Arbeit, Konsum, Arbeit. Deutsches Alltagsmaterial wird als Gestaltungsgrundlage verwandt.

Dazu Aussagen von Unterdrückung, die getragen und unterstützt wird von der Situation des alltäglichen bürgerlichen Normallebens. Plastik, Fragmente, Schnitte im Volumen, zusammengesetzte Collagenhafte Körper, als raum-greifende Installierung des Geschriebenen Wortes von menschlichen Zuständen.

SPURENSUCHE
Konstruktion – Dekonstruktion – Rekonstruktion

Fragmente zerbrochener Formen
durch Dekonstruktion entstanden
in Einzelform zerlegt
Fragmentarisches Wiederentdecken
Rekonstruktion
Im Kopf im Materiellen im Seelischen
Zum Erinnern an den Ausgangspunkt der Konstruktion

Archäologie ist Spurensuche. Aus dem Fragmentarischen wird über die Rekonstruktion eine Annäherung an das Urbild erreicht.

In meiner Arbeit wird die Dekonstruktion eines Urbildes (Körper, Form, Idee) durch zerschneiden, zerlegen in fragmentarische Form vorgenommen, dadurch wird eine neue formale künstlerische Wertigkeit erreicht. Dies trifft auf das Rekonstruktionsbedürfnis des Betrachters und fordert ihn heraus das Urbild zu erkennen, welches sich vorwiegend im Bereich der eigenen rekonstruktiven Vorstellung bewegt. Im Idealfall ergeben sich starke Annäherung an den oder die Ausgangspunkte des Künstlers. Dies fördert die Kommunikation zwischen Betrachter und Macher und lässt Spuren auffinden, an die man selbst nicht gedacht hat